Selbstwert nach der Trennung lässt sich nicht durch positive Gedanken oder Affirmationen wiederherstellen. Er entsteht durch ehrliche Arbeit, täglich, in kleinen Entscheidungen, die zeigen, dass du deine eigenen Bedürfnisse und Grenzen für real hältst.
Ich erinnere mich an einen Mann (Name geändert, hier Thomas genannt), der in meiner Begleitung irgendwann sagte, er wisse seit der Trennung nicht mehr, wer er eigentlich sei. Nicht dramatisch gemeint, eher ruhig und ein bisschen ratlos. Er hatte zwölf Jahre lang funktioniert, als Ehemann, als Vater, als Ernährer, und jetzt, ohne diesen Rahmen, spürte er eine Leere, die er nicht benennen konnte.
Das ist kein Einzelfall. Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder, dass Männer nach einer Trennung nicht nur eine Beziehung verlieren, sondern auch den Halt, den sie in ihr gefunden hatten. Dieser Beitrag ist kein Programm für mehr Selbstliebe und keine Anleitung, positiver zu denken. Er ist ein ehrlicher Blick darauf, was mit dem Selbstwert passiert, wenn eine Beziehung endet, und was du konkret tun kannst, um dich nicht darin zu verlieren.
Das Wichtigste in Kürze:
Was eine Trennung mit dem Selbstwert macht
Beziehungen geben Orientierung. Nicht nur emotional, sondern strukturell. Du weißt morgens, wofür du aufstehst. Du weißt, wer du für jemanden bist. Du hast eine Rolle, die sich stimmig angefühlt hat, auch wenn sie manchmal schwer war.
Wenn diese Struktur wegfällt, fällt mit ihr oft das, was sich wie Selbstwert angefühlt hat. Nicht weil du schwach bist, sondern weil Selbstwert, der sich ausschließlich an einer Beziehung aufgehängt hat, außerhalb dieser Beziehung keinen Halt mehr findet. Das Muster ist weit verbreitet und hat nichts mit Versagen zu tun.
Die Chance, die in diesem Moment liegt, ist keine romantische. Sie ist eher unbequem. Du siehst jetzt, was wirklich dein Fundament war, und was davon tragfähig ist. Das ist Klarheit, auch wenn sie sich im ersten Moment wie Erschöpfung anfühlt.
Ich habe gemerkt, dass Männer, die sich dieser Frage stellen, schneller wieder Boden unter den Füßen bekommen als jene, die versuchen, den Schmerz schnell zu überwinden. Der erste Schritt ist, ehrlich hinzuschauen.
Warum viele Männer ihren Selbstwert erst in der Trennung verlieren
Es gibt ein Muster, das ich in meiner Begleitungsarbeit häufig sehe. Männer, die über Jahre hinweg sehr verlässlich funktioniert haben, bemerken ihre eigene emotionale Abhängigkeit von der Beziehungsstruktur oft erst dann, wenn diese Struktur wegbricht. Nicht weil sie blind waren, sondern weil das System so gut funktioniert hat, dass es keinen Anlass gab, es zu hinterfragen.
Der Selbstwert war real, er hatte nur ein fragiles Fundament. Er ruhte auf Bestätigung von außen, auf der Rolle als Partner, auf dem Gefühl, gebraucht zu werden. Das ist keine Schwäche, das ist menschlich. Aber es bedeutet, dass die Trennung dieses Fundament nicht nur erschüttert, sondern sichtbar macht, dass es so nie wirklich getragen hat.
Das ist der eigentliche Schmerz hinter der Frage “Wer bin ich jetzt?” Es geht nicht um die Person, die gegangen ist. Es geht um die Erkenntnis, dass ein Teil dessen, was man für sich selbst gehalten hat, ein Konstrukt der Beziehung war. Diese Erkenntnis tut weh. Und sie ist der Beginn von etwas Echterem.
Was ich dabei immer wieder beobachte, ist das. Männer, die diesen Moment nicht als persönliches Versagen deuten, sondern als Information, finden deutlich stabiler zurück zu sich.
Arbeite an deinem Innern. Da ist die Quelle des Guten, eine unversiegbare Quelle, wenn du nur immer nachgräbst.
Mark Aurel
Selbstbetrachtungen* (Buch VII, 59)
Die Chance im Schmerz und was jetzt sichtbar wird
Schmerz hat eine Funktion, die selten benannt wird. Er zeigt, was wichtig ist. Was wegfällt, nach dem du greifst, hat Gewicht in deinem Leben gehabt. Das ist kein romantisches Argument für Traurigkeit, sondern ein nüchterner Hinweis darauf, was dich als Person ausmacht.
In der Trennungsphase werden Dinge sichtbar, die im Alltag einer funktionierenden Beziehung unsichtbar geblieben sind. Welche Bedürfnisse du still zurückgestellt hast. Welche Grenzen du nie wirklich gesetzt hast. Welche Vorstellungen von dir selbst an eine Person geknüpft waren, die jetzt nicht mehr da ist.
Das sind keine angenehmen Funde. Aber sie sind ehrlich. Und ehrliche Information ist das einzige Material, aus dem sich ein tragfähiger Selbstwert aufbauen lässt. Ich sage in meiner Arbeit manchmal, dass eine Trennung nicht das Leben zerstört, sondern ein bestimmtes Selbstbild. Das klingt härter als es gemeint ist. Es ist eigentlich eine Einladung.
Selbstwert ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung
Selbstwertgefühl ist das, was kommt und geht. Es ist hoch, wenn du einen guten Tag hattest, wenn jemand dich lobt, wenn etwas klappt. Es ist weg, wenn du gescheitert bist, wenn jemand dich verlassen hat, wenn du allein aufwachst und nicht weißt, warum das alles so geworden ist.
Selbstwert als Haltung ist etwas anderes. Es ist die Entscheidung, dich selbst als jemanden zu behandeln, dessen Handlungen, Grenzen und Bedürfnisse Gewicht haben, unabhängig davon, ob gerade jemand zustimmt. Das ist keine Affirmation und kein positives Denken. Es ist Selbstführung.
Der Wechsel vom Gefühl zur Haltung passiert nicht durch Überzeugung, sondern durch Wiederholung. Du handelst so, als hättest du Selbstwert, auch wenn das Gefühl fehlt. Nicht als Selbstlüge, sondern als Übung. Wie ein Muskel, der erst dann spürbar wird, wenn du ihn benutzt.
Das klingt simpel. Es ist mühsam. Aber es ist das Einzige, das hält.
Vom flüchtigen Selbstwertgefühl zur stabilen Haltung
Der Unterschied zwischen Selbstwertgefühl und Selbstwert als Haltung ist nicht akademisch. Er hat direkte Auswirkungen darauf, wie du entscheidest, wie du kommunizierst und wie du mit dir umgehst, wenn es schwierig wird.
Selbstwertgefühl ist reaktiv. Es antwortet auf das, was außen passiert. Jemand sagt etwas Nettes über dich, das Gefühl steigt. Jemand kritisiert dich, es sinkt. Das ist normal und menschlich, aber es ist keine Grundlage für stabile Selbstführung. Wer sich auf das Gefühl verlässt, braucht ständig neue Bestätigung. Und in einer Trennungsphase kommt diese Bestätigung von außen kaum noch.
Selbstwert als Haltung ist anders strukturiert. Sie ist nicht unempfindlich gegenüber Außenreizen, aber sie ist nicht von ihnen abhängig. Du kannst eine Kritik hören, sie einordnen und trotzdem deine Position halten. Du kannst allein sein, ohne dass sich Einsamkeit wie Wertlosigkeit anfühlt.
Diese Haltung entsteht nicht über Nacht. Sie entsteht durch kleine, wiederholte Entscheidungen, die dir zeigen, dass deine Grenzen reale Konsequenzen haben und dass deine Bedürfnisse ernstgenommen werden, von dir selbst. Das ist der Kern.
Wusstest du schon, dass
Längsschnittstudien zeigen, dass der Selbstwert meist schon im Jahr vor einer Trennung sinkt, nicht erst danach? Der tiefste Punkt liegt also oft vor dem eigentlichen Schlussstrich. In den Jahren nach der Trennung stabilisiert sich der Selbstwert bei den meisten Menschen wieder. Auch Lebenszufriedenheit und seelisches Befinden geben nach einer Trennung zunächst nach und erholen sich bei vielen im Lauf des ersten Jahres. Der Einbruch gehört also zur Trennung dazu und ist kein Beweis, dass mit dir etwas grundsätzlich nicht stimmt. Die Erholung kommt nicht von außen zurück, sondern mit der Zeit und mit dem, was du täglich für dich tust.
Warum Affirmationen den Selbstwert nicht aufbauen
“Ich bin gut genug. Ich bin wertvoll. Ich verdiene Liebe.” Diese Sätze sind nicht falsch. Sie helfen nur nicht, weil sie auf einer Ebene arbeiten, auf der das Problem nicht liegt.
Das Gehirn bewertet Affirmationen nicht nach ihrem Inhalt, sondern nach ihrer Übereinstimmung mit der erlebten Realität. Wenn dein gelebter Alltag zeigt, dass du deine eigenen Grenzen nicht hältst, dass du deine Bedürfnisse hintanstellst, dass du dich selbst zuletzt bedenkst, dann kollidiert der Affirmationssatz mit der Erfahrung. In diesem Widerspruch gewinnt fast immer die Erfahrung.
Was funktioniert, ist anders. Nicht der Satz, sondern die Handlung. Du setzt eine Grenze, nicht weil du musst, sondern weil du entscheidest, dass deine Erschöpfung real ist. Du lehnst etwas ab, das dir nicht guttut. Du schläfst, obwohl noch etwas unerledigt ist. Diese Momente summieren sich zu einer anderen Geschichte über dich selbst, und diese Geschichte ist, was Selbstwert als Haltung trägt.
Die vier Säulen, die dich tragen, wenn alles wackelt
Ich arbeite in dieser Begleitungsphase mit vier Säulen, die zusammen ein Fundament bilden, das auch in einer schwierigen Zeit trägt.
Präsenz meint die Fähigkeit, im Moment zu bleiben, anstatt ständig in der Vergangenheit der Beziehung oder in Zukunftsszenarien zu verschwinden. Präsenz ist keine Meditationsaufgabe, sondern eine Entscheidung, was du gerade wahrnimmst.
Resilienz ist nicht die Fähigkeit, nicht zu fallen. Sie ist die Fähigkeit, wieder aufzustehen, ohne das Aufstehen als Beweis deiner Stärke verkaufen zu müssen. Resilienz wächst durch Erfahrung, nicht durch Entschlossenheit.
Positivität meint hier nicht gute Laune. Sie meint die bewusste Wahrnehmung dessen, was trotzdem funktioniert, was heute konkret gut war, was nicht zusammengebrochen ist. Die Positivitäts-Aufwärtsspirale, die Barbara Fredrickson in ihrer Forschung beschreibt, entsteht durch genau diese kleinen, echten Wahrnehmungsmomente.
Vision ist der Blick nach vorn, der nicht übertüncht, was war, sondern einen Rahmen gibt, in dem das, was war, einen Platz bekommt. Wer keine Richtung hat, dreht sich im Kreis. Die Vision muss nicht groß sein, sie muss nur stimmig sein.
Was Präsenz, Resilienz, Positivität und Vision jeweils leisten
Diese vier Säulen sind keine Kurse oder Techniken. Sie sind Bereiche, in denen konkrete, tägliche Entscheidungen summieren, was langfristig trägt.
Präsenz leistet etwas, das schwer zu beschreiben, aber leicht zu erleben ist. Wenn du im Moment bist, bist du nicht in der Geschichte der Beziehung und nicht in der Angst vor dem, was noch kommt. Du bist mit dem, was jetzt ist. Das klingt einfach. Für jemanden, der gerade durch eine Trennung geht, ist es eine der anspruchsvollsten Übungen, die es gibt.
Resilienz wächst nicht durch Motivation, sondern durch Erfahrung. Jedes Mal, wenn du durch einen schwierigen Moment gegangen bist und nicht daran zerbrochen bist, hat dein Nervensystem gelernt, dass schwierige Momente enden. Diese Erfahrung ist das eigentliche Kapital dieser Phase.
Positivität im Sinne von Fredricksons Forschung bedeutet nicht, das Negative wegzureden. Es bedeutet, dem Positiven genug Aufmerksamkeit zu geben, dass es nicht vollständig vom Negativen überlagert wird. Das erfordert aktives Training, weil das Gehirn in Stresssituationen systematisch das Bedrohliche bevorzugt.
Vision hält den Kompass stabil, wenn die unmittelbare Umgebung orientierungslos ist. Sie muss nicht ambitioniert sein. Manchmal reicht es, zu wissen, wohin der nächste Schritt zeigt.
Dankbarkeit als tägliche Praxis, die 7‑Tage-Übung
Ich weiß, wie das klingt. Dankbarkeitstagebuch, das kennt man aus Wellness-Ratgebern. Das ist nicht gemeint.
Die Übung ist konkret und hat eine eindeutige Funktion. Sie trainiert die Wahrnehmung, nicht die Stimmung. Denn in einer Phase, in der das Gehirn auf Bedrohungssuche ist, nimmt es bevorzugt wahr, was nicht stimmt. Diese Übung unterbricht das Muster.
Jeden Abend, sieben Tage lang, schreibst du drei Dinge auf, die heute konkret gut gelaufen sind. Nicht “ich bin gesund” oder “die Sonne hat geschienen”. Sondern spezifisch. “Das Gespräch mit meinem Bruder hat mich geerdet.” “Ich habe heute Mittag etwas gegessen, das mir geschmeckt hat.” “Ich habe heute eine Sache erledigt, die ich zu lange aufgeschoben hatte.”
Nach sieben Tagen passiert etwas, das ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte. Der Wahrnehmungsfilter beginnt sich zu verschieben. Nicht dramatisch, nicht plötzlich. Aber der Blick wird präziser. Du siehst mehr von dem, was tatsächlich da ist, und weniger von dem, was die Erschöpfung dir als Wahrheit verkauft.
Jeden Dienstag ein Fall aus meinem Beratungsraum
Echte Verläufe, verfremdet, damit niemand erkennbar ist. Markus, der über jede Übergabe seiner Kinder Buch führte. Jens, dessen Beziehung an einem freundlichen „gerne“ krankte. Dazu eine Sache, die du in derselben Woche ausprobieren kannst. Drei Minuten Lesezeit.
So funktioniert die 7‑Tage-Übung konkret
Die Übung braucht fünf Minuten am Abend. Nicht mehr. Und sie funktioniert am besten auf Papier, weil das Schreiben eine andere Aufmerksamkeit erzeugt als das Tippen. Du nimmst ein leeres Blatt oder ein Notizbuch und schreibst drei Sätze. Jeder Satz beschreibt ein konkretes Erlebnis aus diesem Tag.
Was dabei zählt, ist Spezifität statt Bewertung. Nicht “es war ein guter Tag”, sondern “das Telefonat mit Michael hat mir gezeigt, dass ich nicht allein bin”. Die Spezifität ist entscheidend, weil das Gehirn bei konkreten Momenten stärker aktiviert wird als bei abstrakten Zusammenfassungen.
Ich empfehle, die Einträge nicht zu lange zu machen. Ein kurzer, präziser Satz hat mehr Wirkung als ein langer, der sich zur Analyse ausweitet. Die Übung ist ein Wahrnehmungstraining, kein Tagebuch. Der Unterschied liegt in der Funktion, nicht im Format.
Nach den sieben Tagen kannst du entscheiden, ob du weitermachst. Viele, die ich in meiner Arbeit begleite, machen es, weil sie merken, dass der Aufwand überschaubar ist und der Effekt realer als erwartet.
Warum Spezifität wichtiger ist als Häufigkeit
Ein häufiger Fehler bei Dankbarkeitsübungen ist, sie täglich zu machen, aber oberflächlich. Die Häufigkeit hilft wenig, wenn der Inhalt austauschbar ist. “Ich bin dankbar für meine Gesundheit” ist an Tag sieben derselbe Satz wie an Tag eins. Er trainiert nichts.
Spezifität hingegen zwingt dich, wirklich hinzuschauen. Was war heute konkret gut? Das erfordert Aufmerksamkeit. Und genau diese Aufmerksamkeit ist das, was trainiert wird. Nicht die Dankbarkeit als Gefühl, sondern die Fähigkeit, echte positive Momente im Alltag zu sehen und zu halten.
Ich habe in meiner Begleitungsarbeit beobachtet, dass Männer, die spezifisch schreiben, nach einer Woche berichten, dass sie im Laufe des Tages anfangen, auf diese Momente zu achten. Die Übung verlagert sich vom Abend in den Tag. Das ist der Effekt, auf den es ankommt.
Selbstliebe als Schutzprinzip
Ich benutze das Wort Selbstliebe ungern, weil es so oft als Aufforderung zur Selbstoptimierung missbraucht wird. Gemeint ist hier etwas Basaleres.
Stell dir die Frage, wie du dich selbst behandelst, wenn niemand zuschaut. Schläfst du, wenn dein Körper Schlaf braucht? Isst du, wenn du Hunger hast? Hörst du auf, wenn du erschöpft bist? Oder bist du dir selbst gegenüber der härteste Chef, den du je hattest?
In einer Trennungsphase neigen Männer dazu, sich entweder komplett zu vernachlässigen oder sich durch Aktivität zu betäuben. Beide Muster sind verständlich und beide kosten am Ende mehr, als sie bringen. Selbstliebe als Schutzprinzip bedeutet, dass du für dich selbst verantwortlich bist, auch wenn gerade niemand anderes auf dich schaut.
Das bedeutet nicht, dass alles immer gut sein muss. Es bedeutet, dass du die basalen Dinge nicht aus dem Blick verlierst. Schlafen, essen, dich bewegen, Kontakt halten, Grenzen einhalten. Nicht weil du das verdient hast, sondern weil es die Grundlage ist, von der aus alles andere erst möglich wird. Mehr zu diesem Thema findest du auch im Beitrag Neuanfang nach der Trennung.
Wie du dich selbst behandelst, wenn niemand zuschaut
Das ist die nüchternste Version der Frage nach dem Selbstwert. Nicht wie du dich in der Öffentlichkeit gibst, nicht wie du über dich redest, sondern was du tust, wenn kein Publikum da ist.
Schläfst du? Das klingt banal. Aber Schlafentzug in einer Trennungsphase ist häufig, oft unbemerkt, und hat direkte Auswirkungen auf die emotionale Stabilität und die Entscheidungsqualität. Wer nicht schläft, hat weniger Zugang zu dem, was er als “sich selbst” kennt.
Isst du regelmäßig? Ich spreche nicht von gesunder Ernährung. Ich spreche davon, ob du dir die Zeit nimmst, zu essen. Ob du dir das zugestehst. Viele Männer in dieser Phase essen entweder zu wenig, weil sie vergessen, oder zu viel und zu unstrukturiert, weil das Essen eine der letzten Kontrollen über die eigene Erfahrung ist.
Hältst du Kontakt zu Menschen, die dir guttun? Nicht um über die Trennung zu reden, sondern weil menschlicher Kontakt regulierend wirkt, körperlich messbar. Das ist kein Ratschlag zur Geselligkeit, sondern ein Hinweis auf Biologie.
Diese drei Dinge, Schlaf, Essen und Kontakt, sind keine spirituellen Übungen. Sie sind die basalen Schichten, auf denen alles andere aufbaut. Selbstliebe als Schutzprinzip beginnt dort.
Woran du merkst, dass dein Selbstwert sich erholt
Es gibt keine dramatische Wende. Kein Morgen, an dem du aufwachst und alles ist wieder in Ordnung. Die Erholung des Selbstwerts sieht unspektakulärer aus.
Du setzt wieder Grenzen. Nicht weil du trainiert hast, sondern weil es sich falsch anfühlt, wenn du es nicht tust. Du fragst nicht mehr nach jedem zweiten Gedanken, was deine Ex wohl denken würde. Du kannst einen Abend allein verbringen, ohne dass sich die Stille wie Strafe anfühlt.
Ich erlebe in meiner Arbeit, dass Männer diesen Punkt oft nicht bemerken, weil sie auf ein anderes Signal gewartet haben. Sie warten auf Gewissheit, auf Leichtigkeit, auf das Gefühl, fertig zu sein. Aber das kommt nicht als Ankündigung. Es kommt als kleines Muster, das sichtbar wird, wenn du zurückschaust.
Wenn du gerade mitten im Schmerz bist, ist dieser Punkt vielleicht noch weit. Aber er ist erreichbar. Nicht durch Überzeugung, sondern durch ehrliche, täglich gelebte Haltung.
5 Zeichen, dass dein Selbstwert sich erholt
Erstens kannst du Nein sagen, ohne es danach zu rechtfertigen. Das ist klein und wird oft übersehen. Aber das Bedürfnis, jede Ablehnung zu begründen, ist ein Zeichen von mangelndem Vertrauen in die eigene Position. Wenn dieses Bedürfnis abnimmt, ist das ein reales Signal.
Zweitens interessierst du dich wieder für Dinge, die nichts mit der Beziehung oder der Trennung zu tun haben. Bücher, Projekte, Gespräche über andere Themen. Das bedeutet nicht, dass die Trennung kein Thema mehr ist. Es bedeutet, dass du mehr bist als diese Trennung.
Drittens kannst du an die gemeinsame Zeit denken, ohne dass der Gedanke dich destabilisiert. Das ist kein Zeichen, dass du gleichgültig geworden bist. Es ist ein Zeichen, dass du die Erfahrung integriert hast, ohne von ihr definiert zu werden.
Viertens triffst du Entscheidungen, die dir guttun, auch wenn niemand sie sieht oder bewertet. Du kochst dir ein gutes Essen für dich allein. Du gehst früh schlafen, weil du es brauchst. Diese kleinen Entscheidungen zeigen, dass dein Wert nicht von einem Publikum abhängt.
Fünftens sprichst du über die Trennung ohne die Notwendigkeit, dich oder die andere Person zu verurteilen. Das bedeutet nicht, dass es kein Unrecht gab. Es bedeutet, dass du anfängst, die Geschichte als Teil von dir zu tragen, statt von ihr getragen zu werden.
Hier findest du weiterführende Blogbeiträge:
Häufige Fragen zum Selbstwert nach der Trennung
Worauf dein Wert als Mann ab jetzt steht
Selbstwert nach der Trennung ist kein Zustand, den du erreichst. Er ist eine Praxis, die du lebst. Täglich, in kleinen Momenten, die zusammen ein Bild von dir formen, das nicht an jemanden anderen gebunden ist.
Thomas, der Mann aus dem Anfang dieses Textes, hat diese Frage gestellt, und er hat sie für sich beantwortet. Nicht durch eine Technik und nicht durch ein Programm. Er hat angefangen, seine eigenen Entscheidungen ernst zu nehmen. Er hat Grenzen gesetzt, die sich komisch angefühlt haben, weil er es nicht gewohnt war. Er hat geschlafen, gegessen und Kontakt gehalten, auch wenn das Gespräch im Kopf lauter war als das im Telefon.
Das ist der Weg. Er ist unspektakulär und er funktioniert. Nicht weil er angenehm ist, sondern weil er ehrlich ist. Und ehrliche Arbeit an sich selbst ist das Einzige, das einen Selbstwert erzeugt, der auch dann tragfähig bleibt, wenn niemand zuschaut.
Wenn du verstehen willst, welche Muster dabei sichtbar werden, ist Selbstreflexion nach der Trennung der nächste stimmige Schritt. Und wenn du den Neuanfang nicht nur verkraften, sondern gestalten willst, findest du dafür Orientierung in Neuanfang nach der Trennung.
Dieser Beitrag ist Teil der Serie “Stärker nach der Trennung”.
Wenn du darüber sprechen willst
Ein Erstgespräch dauert dreißig Minuten und kostet nichts. Wir schauen, woran du gerade festhängst und ob meine Arbeitsweise zu dir passt. Danach entscheidest du.
Schritt 1:
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Zeitaufwand: 3 Minuten
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Fülle das kurze Formular aus, damit ich vorher weiß, worum es geht.
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Schritt 3:
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Wir telefonieren dreißig Minuten. Du schilderst deine Lage, ich sage dir, wie ich damit arbeiten würde.
Zeitaufwand: 30 Minuten
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